Komm mit ins Bürger Museum Wolfenbüttel!

Eine Frauen-Kunst-Aktion zur Interkulturellen Woche Wolfenbüttel 2022

Einmal im Jahr zur interkulturellen Woche treffen sich Frauen verschiedener Herkunft aus der
Volkshochschule Landkreis Wolfenbüttel und dem Salawo-Bürgertreff, um sich kreativ
auszutauschen.
Dieses Jahr trafen wir uns im Bürger Museum Wolfenbüttel, um dort zu den ausgestellten Objekten
eigene Beschreibungen, Bilder und Geschichten zu gestalten. Dieses Mal sind 16 Frauen gekommen
um mitzumachen.
Im Museum wurden wir zunächst von der Museumspädagogin Stella Gilfert begrüßt. Sie zeigte uns
die Objekte und erklärte, wie das Museum mit den Ausstellungsstücken arbeitet.
Dann suchte sich jede Besucherin ein eigenes Objekt aus der Ausstellung, um hierzu ihre eigene,
persönliche Geschichte zu erzählen.
Anschließend stellten wir uns die Ergebnisse gegenseitig vor. Und ich möchte jetzt einige Eindrücke
erzählen:
Aicha und Lama stehen am Mahlstein aus dem 19 Jh.. Viele Familien haben einen eigenen Mahlstein,
um Mehl herzustellen. Beide erzählen uns von dem Brunnen aus Ihrem Heimatdorf. Hier wurde nicht
nur Wasser geholt, sondern auch Speisen zum Kühlen heruntergefahren.
Dann ertönt aus Lamas Handy arabische Musik. Einige Frauen stimmen in den Gesang ein und fangen
an im Takt zu Wippen. Es ist ein populäres Liebeslied und erzählt von einem Mann, der am Brunnen
um eine schöne Frau wirbt und ihr Komplimente macht. Sie jedoch ist schüchtern.
Edeltraut erzählt uns am Wolfenbüttler Stadtbild von Ihrer Schulzeit in Braunschweig. Sie hat es auf
ein Papier gemalt und berichtet, wie sie damals die einzelnen Elemente wie z.B. Kirchen, Stadttore
usw. bestimmen mussten, und dass beide Städte vom Wasser, bzw. von der Oker geprägt wurden.
Brigitta zeigt uns, wie sie damals Gemüse in Dosen verschlossen haben. Sie hat die Dosenmaschine
aufgemalt. Die Dosen wurden gefüllt und gekocht. Anschließend wurde sie wiederverwendet. Dabei
wurde immer ein kleiner Teil abgeschnitten. So wurde die Dose immer kleiner.
Neben der „Kuba Musiktruhe Komet“ berichtet Hana von einem Keller des Nachbarn in Syrien, in
dem ein Fernsehgerät die einzige Informationsquelle für das Vordringen feindlicher Truppen im
Kriegsgebiet 1987 war. Im Innenraum warteten sie oft tagelang bis sie wieder auf die Straße durften.
Es galt Ausgangssperre.
Najwa erzählt am Radio des Museums, dass sie in Ihrem Heimatland Syrien immer Radio gehört hat.
Es war immer an. Die Musik Weikus hörte sie am Vormittag beim Aufräumen und Saubermachen, am
Nachmittag hörte sie Umkaltum und am Abend trank sie mit großer Freude Kaffee und hörte Musik.
Dann schlief sie und hörte den Koran. Daneben erinnern sich die Frauen auch daran, dass ein Radio
zur Aufnahme von Sprachkassetten benutzt wurde. Diese Sprachkassetten wurden dann den
Verwandten zugeschickt und so wurde Kontakt gehalten.
Im Museum gibt es einen Fernseher, der zeigt, wie Kinder über eine Wasserrutsche in einen Badesee
rutschen. Hier berichtet uns Stella, dass sie früher nicht wusste, dass man überhaupt im See baden
kann, Sie ist nämlich mit ihrer Familie ans Meer gezogen und im Meer auch schwimmen gelernt.
An der zweiräumigen Puppenstube erinnert sich Gertraude Fibelkorn, dass Einsamkeit und Fremdheit
als Flüchtlingskind 1945 zur ihrer Normalität gehörten. In der Miniaturwelt der Puppenstube, die ihr
Großvater für sie erbaute, fand sie Zuflucht in ein Zuhause, das sie als Kind nach eigenen Wünschen
mit selbstgebauten Puppen gestalten konnte.
Ich selbst erzähle von dem Klepper-Faltboot, mit dem ich mit meinem Bruder über die finnische See
gepaddelt bin. Viele Wochen lang. Dabei wurde viel gesungen, um von der Anstrengung abzulenken.
Aber auch um den Takt zu halten. Denn wenn man zu zweit paddelt, muss man im gleichen Tempo
paddeln.
Ulrike und Gabi haben sich mit dem Fluchtgepäck im Schrank im Museum beschäftigt und sich
gefragt, wie sicher sie gerade in Deutschland leben und welche Gegenstände sie schnell ergreifen
und einpacken würden, wenn sie selbst das Fluchtgepäck packen müssten. Was ist wichtig?
Stine sitzt auf einer Schulbank im Museum und erinnert sich erinnert sich an einen großen
Eichenbaum in der Nähe der Schule. Das Geräusch der Eicheln, die unter dem Fahrradreifen
wegspringen beim Fahren, ist immer noch gut in ihrer Kindheitsgeschichte hörbar. Diese Erinnerung
wurde geweckt durch ein Eichenblatt auf einem Fahnen-Banner im Museum.
Diese und viele weitere spannende Geschichten wurden im Bürger Museum erzählt. Mit hat es sehr
viel Spaß gemacht und ich hoffe, es hat Ihnen bzw. Euch auch gefallen.
Ich freue mich bereits auf die nächste Interkulturelle Woche!
Ihre Sabine Flomm
Zum Abschied möchten ich mich ganz herzlich beim Bürger Museum Wolfenbüttel für die tolle
Möglichkeit bedanken. Und bei Siba, die den Vormittag so großartig zwischen deutsch und arabisch
hin- und herübersetzte. Sie selbst berichtete uns, wie ihr Vater versuchte, das Kaffee-Service ihrer
Familie zu retten. Denn das Service steht für viel mehr: Es wird für die ganze Familie gedeckt, die an
einem Tisch zusammenkommt. Das ist ein großer Wunsch an die Zukunft, denn die
Familienmitglieder sind nun über viele Länder verteilt.